Im Data Monitor finden Sie heute die Meldung "Bubble 2.0 is Coming Soon". Sie verweist auf eine Columne von John C. Dvorak im PC-Magazine - und sagt in Summe knapp: "Es wird schlimmer als beim letzten Mal." Mr Dvorak weist auf ein paar Verrücktheiten hin:
- Neo-social networking
- Video mania
- User-generated content
- Mobile everything
- Ad-leveraged search
- Widgets and toolbars
die nowadays viel Aufmerksamkeit, und vor allem sehr viel (VC-) Geld binden. In seiner Conclusio gibt Dvorak dem Reich der Möglichkeiten breiten Raum: "You can come up with your own theories about the next collapse. Your guess as to the cause will be as good as mine. All I can tell you is that it's a sure thing."
Man muss Mr. Dvorak kennen, um diese Meinung einigermassen bewerten zu können. Gewiss ist er ein Alter Hase, eine Autorität aus eigenem Recht. Wer will, kann ihn in schöner Regelmässigkeit im TWIT-PodCast von Leo Laporte hören, wo er die brazzige, bärbeissige Rolle eines "So what"-Klugredners innehat, mit allen Wassern gewaschen, dem keine noch so ausgefeilte Novität auch nur in die Augenbraue fährt. Bedauerlicherweise ist diese Rolle des Alten Hasen auch sehr nahe an der Rolle des Alten Mannes, der, Baujahr 1952, einen vielleicht einmal jugendlichen Idealismus wie unter einem polaren Eisschild von Zynismus und Sarkasmus begraben hat. Seine Meinungen sind sorgsam ausbalanciert zwischen Abfälligkeit, Abscheu und Arroganz, und die "eigentlich ursächlichen guten oder innovativen Ideen" werden von diesem Panzer verschluckt, wie das Flugzeugbrummen von einem Bose-Kopfhörer.
Dies eingedenk, könnte man das So What des John C. getrost in dessen Mund herumdrehen.
Es würde ihm - denn blöd ist er nicht - nicht völlig gerecht. Zurecht weisst er darauf hin, dass die von uns überschaubare Vergangenheit vollgestopft ist mit all den Übertreibungen, die, himmelhochjauchzend, zutodebetrübt, eine Euphorie, einen Markt, einen Hype nach dem anderen über den Peak hinaus in die Abgrund getrieben haben. Ja, so ist es. Die von ihm genannten Verrrücktheiten sind als Indikatoren eines neuen Crashes kaum zu bestreiten, und wer dieser Tage seine FTD aufmerksam liest, der lernt auch, dass die beraunte Bubble sich prächtig ergänzt mit allerlei Indikatoren finanztechnischer Unruhe.
Das alles gesagt habend, haben wir das eigenltiche Problem noch nicht am Wickel: Dvorak, der sich als Warner gibt, ist, wenn man genauer hinsieht, nur ein opportunistisches, berechnendes Rädchen in einem weltweit auf höchstem Niveau hysterisierten Meinungsbildungskarussel, das früher einmal "Öffentlichkeit" genannt werden konnte. Auf der einen Seite finden wir die Einpeitscher, die jedem Thema, sei es eine "begeisternde Neuerung" oder eine "grausame Tragödie" eine Sensation, und so eine anzeigenträchtige Auflage abringen, der sie genau so lange nachplappern, bis der nächste Reiz fettere Lettern verspricht. Auf der anderen Seite finden wir die Apokalyptiker, die ihren Seelenfrieden an ihren hochgereckten Zeigefinger delegieren: "ACHTUNG, VORSICHT, AUFGEPASST." Als wäre ihr mahnender Beitrag irgendeinem Wohle der Menschheit verpflichtet, lehnen sie sich zurück in ihr: "ich hab's immer schon gesagt.." Mit ihren Rosenkränzen haben sie ihre Sünden abgedient. ... Bullshit: Man muss nur mitzählen, wie oft, ein Running Gag unter seinen Kollegen, Dvorak in jedem TWIT die Adresse seines (gruseligen) Blogs "Dvorak Uncensored" durchbuchstabiert. SELBSTVERSTÄNDLICH liegen seine Motive nur in der Akquisition jenes Traffics, der ihm die Werbedollar seines Blogs besichert.
Welcome to Reality, würde Kollege Tschentscher jetzt sagen. Ich meine, dass es damit nicht getan ist. Nur will mir partout nicht einfallen, was, ausser eigenem Untergangsgegrummel, der Entwicklung entgegenzustemmen Aussichten hätte. (IvD)
Kommentiert von: Bbstyjxm | 24. Oktober 07 um 22:19 Uhr
Kommentiert von: Msrwbdas | 24. Oktober 07 um 22:56 Uhr