Die wenigsten Mediennutzer sind sich bewusst, dass ihr Werbekonsum für den jeweiligen Inhalteanbieter de facto ein „Zahlungsmittel“ ist, und empfinden Werbung dementprechend als Belästigung.
In den digitalen Medien kann den Nutzern künftig die Wahl zwischen werbefinanzierten (kostenlosen) und werbefreien (kostenpflichtigen) Inhalte-Konsum ermöglicht werden. Dadurch wird die Werbung als „Zahlungsmittel“ mit einem transparenten Gegenwert positioniert, und der unfreiwillige Werbekonsum in eine „freiwillige“ Wahl des Nutzers überführt.
Der Online-Auftritt des Nachrichtenmagazins The Economist räumt beispielsweise seinen Nutzern einen kostenlosen eintägigen Zugang zu seinen (normalerweise kostenpflichtigen) Premium-Inhalten ein, wenn diese im Gegenzug (vorher) das Werbevideo eines Sponsors „konsumieren“.
Dadurch erhält der Nutzer für die Werbebetrachtung einen messbaren Gegenwert, während der Werbetreibende sich als „freundlicher Sponsor“ (anstatt als störender Werbe-Unterbrecher) positioniert. Und Economist.com wird in jedem Fall von einer der beiden Parteien entgolten. Die dahinter stehende Technologie liefert das US-Startup Ultramercial, zu dessen Publishing-Kunden auch die Business-Week und das TIME-Magazine gehören. Nach Angaben des Unternehmens liegen die Click-Through-Raten (CTR) bei etwa 7% und damit deutlich über Schnitt anderer Online-Werbeformate.
Der Mobilfunkbetreiber Virgin Mobile USA ermöglicht seinen Teenager-Kunden derweil, durch den Konsum von Werbevideos oder Werbe-SMS bis zu 75 Minuten kostenlose Handytelefonate pro Monat zu ergattern. Innerhalb der ersten zehn Wochen nach dem Launch des Programms, verzeichnete Virgin 112.000 registrierte Nutzer für den Dienst, die im Schnitt rund zehn Minuten Werbevideos pro Monat mit einer Click-Through-Rate von 5% betrachteten. Einen ähnlichen Ansatz wie Virgin Mobile verfolgt das Startup Xero Mobile, das Anfang 2007 rund eine Millionen Handies vergeben will, mit denen Nutzer für den Konsum von täglich vier Werbebotschaften 40% ihrer Gesprächszeit gratis erhalten.
Auch der US-Anbieter Globe7 Today vergibt freie Gesprächsminuten (in diesem Fall in der VoIP-Variante), sobald Nutzer auf der neuen Globe7 Plus-Plattform Werbevideos ansehen, welche wiederum nach demographischen und psychographischen Profilen der Nutzer eingespielt werden. Eine alternative Vergütung bietet das US-Startup e-Rewards, auf dessen Seite www.e-miles.com sich Nutzer für ihren Werbekonsum Flugmeilen gutschreiben lassen können.