Dass die Blogosphäre inzwischen Teil der „professionellen“ Medienwelt geworden ist, zeigt das Beispiel von BlogBurst. Als Dienstleister „zwischen den Welten“ syndiziert BlogBurst qualitativ geprüfte Weblogs an professionelle Medienanbieter und Verlage. Im November 2006 umfasste das Angebot von BlogBurst etwa 2.800 Weblogs, die unter anderem an Kunden wie die Washington Post und den UK Guardian vertrieben werden. Entsprechend eines vierteljährlichen Rankings der am häufigsten auf Verlagswebseiten erschienenen Weblogs erhalten die Blogger eine (monatliche) Vergütung, die von $1.500 für den Top-Blog bis zu $50 für die Plätze 80 bis 100 reicht. Neben den Venture Capital Unternehmen Austin Ventures und Mayfield hat auch Reuters 2006 sieben Mio. US-Dollar in Pluck, den Betreiber von BlogBurst investiert.
Ausserdem wird Reuters die Vermarktung der BlogBurst-Dienste an seine weltweiten Partner übernehmen.
Auch das von Top 10 Media betriebene Lisensa sieht sich als Mittler zwischen der Blogossphäre und professionellen Anbietern. Der zentrale Unterschied liegt in der Möglichkeit zum Copyright-Management durch den Blogger. So kann dieser etwa festlegen, dass seine Blogeinträge nur bis zu einer gewissen Länge (z.B. die ersten 100 Wörter), nur mit Verlinkung auf den ursprünglichen Webblog oder gegen die Entrichtung einer Gebühr von professionellen Anbietern re-publiziert werden dürfen. Auf diese Gebühr nimmt Lisensa eine 10%-ige Provision.
BoingBoing – „The Directory of Wonderful Things“ ist ein Beispiel für die erfolgreiche Überführung eines professionell erstellten Printformats in ein reines Weblog-Magazin. 1988 gegründet, galt BoingBoing bald als zentrales Szene-Magazin für die entstehende Cyperpunk-Subkultur. 1995 wurde das Magazin durch eine Website ersetzt und 2000 als Weblog repositioniert. Dank seiner Werbeeinnahmen von geschätzen 1 Mio. US-Dollar jährlich und 2,1 Mio. Lesern im Monat gilt der von vier Autoren betriebene Weblog heute einerseits als wirtschaftlicher Blogging-Erfolg, findet andererseits mit zwei „Bloggie Awards“ aus den Jahren 2004 und 2005 auch in der Blogger-Szene weiterhin Anerkennung.
Ein vollständig weblog-basiertes Medienhauses hat auch Gawker Media erschaffen:
Der erfolgreiche Weblog-Verlag setzt auf junge talentierte Autoren, viel Szene-Klatsch und Tratsch, vermengt mit schwarzem Humor. Ein Beispiel für den teils fragwürdigen, auf jeden Fall aber provokativen Journalismus ist Gawker Stalker: Auf dem Mashup mit Google-Maps können Gawker-Leser „Promi-Sichtungen“ eintragen, was einen Sturm der Entrüstung unter den New Yorker Prominenten, aber eben auch entsprechende Publicity auslöste. Mit etwa 60 Millionen Pageviews pro Monat und einem geschätzten Umsatz von drei Millionen US-Dollar in 2006 zählt Gawker inzwischen zu den erfolgreichsten Weblog-Betreibern im Internet.