Der weltweite Markt für „Gelbe Seiten“ wird auf rund $ 30 Mrd. beziffert und ist hoch profitabel: Die Kelsey Group schätzt den Gewinn der gesamten Branche auf $ 10 Mrd. vor Steuern (Stand 2004). Das Start-Up Yelp will nun die Regeln dieses Marktes auf den Kopf stellen: Auf der Location Tagging und Rating-Plattform können die Nutzer Restaurants, Geschäfte, Ärzte und alle denkbaren Dienstleister eintragen, kommentieren, benoten. Die so generierte Datenbank erlaubt die Suche nach lokalen Dienstleistungen und die Darstellung der Suchergebnisse auf einer integrierten Google-Map. Auf Yelp finden sich bereits über 100.000 Einträge, ein Grossteil in US-Zentren wie San Franciso, Boston und New York. Mittlerweile kann die Seite auch von mobilen Endgeräten aus genutzt werden. Das von Pay-Pal Mitbegünder Max Levchin angestossene Unternehmen ($ 16 Mio VC u.a. von Bessemer Venture, Benchmark Capital) finanziert sich über Werbung: allerdings „dürfen“ nur Geschäfte mit einem Rating von mindestens drei Sternen überhaupt auf der Seite werben.
Wichtigstes Element für den Erfolg von Yelp gerade bei der jungen und „ausgehfreudigen“ Zielgruppe ist das „integrierte Anreizsystem“. So erhalten „Erst“-Kommentatoren etwa „First to Review“-Auszeichungen für neue Einträge. Die Nutzer können Kommentare wiederum bewerten. Anerkannte Kommentatoren steigen in der Community-Hierarchie, und die grösste Ehre besteht für einen „Yelper“ darin, in die „Yelp Elite Squad“ aufzusteigen, für die monatlich eine exklusive Party in einer hippen Szene-Location organisiert wird.
Ein ähnliches Angebot bietet in Deutschland seit Anfang 2006 der nutzergenerierte „Stadtführer“ Qype. Allerdings hat das Projekt keine umfangreiche Datendichte und erreicht erst bei Themen wie Bars und Restaurnat einen angemessenen Branchenüberblick. Die Integration der Qype-Bewertungen in die lokalen Suchergebnisse von Google seit Oktober 2006 könnte allerdings bald für gesteigertes Interesse an dem Angebot sorgen.
Auch das von der Holtzbrinck-Tochter eLab gelaunchte Angebot Pointoo ist Anbieter von (in Google-Maps integrierten) „Points of Interests“. Das Angebot setzt auf einem mobilen Upload von Informationen auf: Die auf dem Handy installierte Pointoo Software überspielt dabei automatisch die Geokoordinaten des Nutzers, die entweder über einen im Mobilfunktelefon eingebauten GPS-Empfänger oder per GSM-Ortung ermittelt werden.
Eine automatisierte „Lokalisierung“ von Content ermöglicht auch die Handysoftware Zonetag, mit der Nutzer Handyfotos auf das eigene Konto der Photo Community Flickr laden können. In Abhänigkeit von den empfangenen Geodaten versieht das Programm die Bilder automatisch mit Geotags und weiteren Schlagworten, die andere Nutzer im selben Bereich für aufgenommene Bilder verwendet haben.
Welches Potential die nutzergenerierte, geographische Verschlagwortung von Informationen hat, belegt das Beispiel von Google Earth. Das kostenlose Google-Programm ermöglicht eine dreidimensionale Steuerung durch Google‘s Satellitenkarten und wurde bis zum März 2006 mehr als 100 Millionen mal heruntergeladen (seitdem werden keine Zahlen mehr veröffentlicht). Google Earth ist weit mehr als ein Ansichtsprogramm:
Über das offene Google-Dateiformat KML (an XML angelehnt) können Nutzer jegliche Art von geo-getaggten Informationen und Dokumenten in Google Earth einspielen, von Karten, Naturfotographien, QuickTime-Filmen bis hin zu Grafiken zur Messung der Umweltverschmutzung. Sofern die Nutzer damit einverstanden sind, werden die Informationen wiederum als „Layer“ über den Kartenansichten allen anderen Nutzern zur Verfügung gestellt. Damit entwickelt sich Google Earth zu einer gewaltigen „Geo-Enzyklopädie“, die die reale Welt mit einem wachsenden Layer von digitalen Zusatzinformationen abbildet.