Dem „Summen“ des Netzes ist Buzzlogic auf der Spur. Auf Basis der algorithmen-basierten Auswertung von Blogeinträgen und deren gegenseitiger Verlinkungen indentifiziert die Software des Unternehmens
einflussreiche Teilnehmer der Blogosphäre und stellt deren Beziehungsgeflecht in graphischen Netzwerken dar. Aus den gewonnen Daten leitet das Unternehmen graphische Darstellungen des Beziehungsgeflechts der Netzwelt ab. Werbetreibende (u.a.) Kunden von Buzzlogic können so in realtime feststellen wie In-
formationen publiziert, ver-
breitet und konsumiert werden, und welche Trendsetter/Multiplikatoren die Blogosphäre beeinflussen.
Mit einem ähnlichen Ansatz versucht Umbria für seine Kunden zu ermitteln, was deren Kunden von ihren Produkte, ihren Marken und denen der Konkurrenz halten. Auch
hat inzwischen das Marktpotential erkannt, das in der automatisierten Auswertung des Netzgeflüsters steckt, und bietet seit der Übernahme von BuzzMetrics 2005 ebenfalls eine Lösung zur Überwachung kundengenerierter Medien an.
Das automatische Monitoring der Blogosphäre wird künftig auch qualitative Erkenntnisse ermöglichen, wie die britische Firma Corpora mit ihrer Software „Sentiment“ zeigt. Diese, eine semantische Textanalyse, wertet automatisch die „Tonalität“ elektronischer Dokumente aus und kann damit erkennen, ob ein Artikel zu einem bestimmten Unternehmen oder Ereignis eher positiv oder negativ gehalten ist.
Die Fehlerquote läge, so Corpora, „in einem vernünftigen Rahmen“: Während menschliche Leser in etwa 90% der Fälle zu einer einheitlichen Bewertung eines Artikels kämen, käme die Software in 85% der Fälle zum gleichen Ergebnis. Eingesetzt wird die Software auch bei der Corpora-Tochter Infonic, die mit dieser unter anderem automatisch die „Stimmung “ in der Blogosphäre zu bestimmten Themen oder Produkten analysiert.
Auf ähnliche Weise lassen sich auch unmittelbar geldwerte Premium-Informationen generieren. Das New Yorker Startup Monitor 110 will Anfang 2007 eine Research Suite lancieren, die Hedgefond-Managern eine automatisierte Überwachung von rund 50 Millionen Internetquellen ermöglicht, darunter Weblogs, Foren, Nachrichtenanbieter, statische Webseiten und das sogenannte „Hidden Web“.
Anstelle einer einfachen Stichwort-Suche setzt Monitor 110 auf konzeptionelle und semantische Suchalgorithmen, die über die Auswertung von etwa 50 (später 100) Faktoren die Relevanz und die Bedeutung der indexierten Informationen ermitteln sollen. Dieser monetarisierbare Nutzen hat seinen Preis: Nach Aussage von Monitor 110 soll die Abogebühr pro Nutzer deutlich über der eines Bloomberg-Terminals liegen.
De facto wird die Blogosphäre heute schon zur automatischen Identifikation neuer Trends genutzt: Die Hype Machine zum Beispiel „überwacht“ den „Music-Buzz“ in mehr als 600 dedizierten
Musik-MP3-Blogs und identifiziert solche Titel, die besonders intensiv diskutiert werden. Diese können auf der Hype Machine Seite zwar gehört, aber nicht heruntergeladen werden. Möchte ein User die Titel erwerben, kann er sie über iTunes oder Amazon beziehen. Der Betreiber der Hype Machine, ein 20-jähriger IT-Student, erhält bei jedem so generierten Verkauf eine Umsatzprovision von 5%. Auch wenn die „Hype Machine“ bislang nur vernachlässigbare Umsätze erzielt, stößt das Modell auf reges Interesse der mit sinkenden Verkäufen und einer zunehmenden Kundenfragmentierung konfrontierten Musikindustrie.