Mit dem Windows Media Center hat Microsoft schon vor einigen Jahren eine zentrale multimediale Entertainment-Lösung für den PC geschaffen. Das Interface erlaubt es dem Nutzer am PC (auch per Fernbedienung) zentral auf seine Videos, Fotos und Musiktitel zuzugreifen und mit der entsprechenden Hardware (z.B. TV-Karte) Fernsehsendungen anzusehen und aufzuzeichnen. Zunächst war das Media Center also nichts weiter als eine integrierte Bedienoberfläche für den Medienkonsum am PC. Mit dem Ende 2004 auf den Markt gebrachten Media Center Extender ging Microsoft dann einen Schritt weiter: Diese an den Fernseher angeschlossene Set-Top-Box ermöglicht dem Nutzer die Daten und Funktionalitäten der Media Centers per Netzwerkkabel oder WLAN auf das angeschlossene Fernsehgerät zu streamen und somit in einer „medienadäquateren“ Umgebung wie dem Wohnzimmer zu konsumieren.
Bis Oktober 2006 wurden weltweit bereits 20 Mio. Extender abgesetzt. Dabei war bisher die Nutzung des Media Centers auf solche Computer beschränkt, auf denen das Interface schon beim Kauf vorinstalliert war. Mit dem Start des neuen Betriebssystems Windows Vista (die Extender-Software ist in den Versionen Home Premium und Ultimate integriert) wird sich der potentielle Nutzerkreis noch einmal deutlich erweitern. Dass Microsofts‘ aktuelle Spielekonsole XBox360 (die sich seit Ende 2005 über 10 Mio. Mal verkauft hat) als Media Center Extender eingesetzt werden kann, erhöht den potentiellen Nutzerkreis des Microsoft Media Centers noch einmal deutlich. Langfristig sollen über das Media Center alle im Haus verfügbaren Mediengeräte zentral gesteuert werden können.
Mit einem ganz ähnlichen Angebot startete Apple im Januar 2007. Die an das Fernsehgerät angeschlossene Set-Top-Box Apple TV synchronisiert sich drahtlos mit der iTunes-Software auf dem heimischen Rechner und erlaubt so den Zugriff auf die in iTunes indexierten Titel direkt vom Fernseher aus. Apple möchte so den Erfolg seines iTunes-Shop beim Verkauf von Musiktiteln auf den kostenpflichtigen Download von Filmen und Fernsehshows übertragen. Anders als Microsoft setzt Apple damit auf eine „proprietäre Lösung“, die zwar die Integration der Software erleichtert, den Nutzer aber ausschliesslich auf die Nutzung von Apple-Angeboten einschwört.
Einen etwas anderen Weg schlägt Sony mit seiner fast 500 Euro teuren Playstation 3 ein, die nicht mehr als reine Spielkonsole, sondern, ausgestattet mit einer 60 GB Festplatte, einem leistungsstarken Prozessor und dem bereits integrierten Blu-Ray-Laufwerk, als „All-in-One Entertainment System“ im Markt platziert wird. Die Netwerkfunktionalitäten der PS3 ermöglichen dabei nicht nur Online-Spiele, sondern bieten auch zahlreiche Features rund um die Themen Kommunikation (z.B. Text- und Videochats), Internetzugang (z.B. einen vorinstallierten Browser sowie einen Download-Shop) und Multimedia (z.B. Verwalten und Abspielen zahlreicher Medien). Mit nur 750.000 im Weihnachtsgeschäft verkaufen Geräten 2006 (in Europa startet die Playstation erst im März 2007) hat die Playstation Sony allerdings bisher nicht den erhofften Erfolg gebracht. Auch die deutlich billigere Microsoft XBox bietet ähnliche Netzwerk-Features (und mit dem Media Center Extender auch den Zugriff auf die im PC gespeicherten Daten).
Nach dem Wohnzimmer dürfte die netzbasierte Medien- und Kommunikationswelt in wenigen Jahren auch die Strasse erobern. Einen Vorgeschmack davon lieferte Apple’s Gründer und CEO Steve Jobs am 9. Januar 2007 mit seiner Präsentation des iPhones, mit dem Apple künftig in den Mobilfunkmarkt einsteigen will. Innerhalb weniger Stunden versetzte Jobs mit seiner Präsentation den Grossteil der technophilen Schöngeister rund um den Globus in helle Aufregung. Das Apple mit einem eigenen Mobiltelefon in den Mobilfunkmarkt einsteigen würde, war zwar von Marktbeobachtern schon lange erwartet worden; das Design und die Funktionalität des iPhone gingen jedoch über die Vorstellung eines „Mobiltelefons“ weit hinaus (oder nach den Worten von Jobs: „We reinvented the Phone“).
Natürlich sind fast alle auf den Markt kommenden Mobiltelefone bereits Multimedia Devices: Sie verfügen über Kameras mit Foto- und Videofunktion, dienen als mp3-Player, verwalten Adressen und ermöglichen oft auch das Surfen im Internet per UMTS (oder sogar per WLAN), das Handling von eMails oder etwa den Empfang von TV-Programmen.
Das Neue am iPhone ist daher weniger das „Was“ des Funktionsumfangs, sondern das „Wie“ der Umsetzung. Im „Zentrum“ des in den USA ab Juni erhältlichen iPones steht dabei ein berührungsempfindlicher Bildschirm, der mit einer 3,5 Zoll Bilddiagonalen fast die gesamte Frontpartie des Gerätes ausfüllt und durch seine „dynamische“, also an der Applikation ausgerichteten Touchscreen-Funktionalität, mit Ausnahme eines Buttons alle „in ihrer Auswirkung fixierten“ Tasten ersetzt.
Über diesen Touchsreen bewegt sich der Nutzer durch einen integrierten Kommunikations-, Informations-, und Entertainment-Raum aus Telefongesprächen, Musik, Instant Messages, VideoChats, eMail, Fotos, Terminverwaltung und insbesondere dem Internet. Der integrierte Safari-Browser ermöglicht dabei die Ansicht von und Navigation in „normalen Webseiten“ (die oftmals reduzierten herkömmlichen Mobil-Interfaces entfallen damit) und integriert u.a. eine mobile Version von Google Maps. Allerdings fehlt dem iPhone noch ein integrierter GPS-Empfänger, so dass bislang keine automatisierte Lokalisierung von Webfunktionen möglich ist.
Natürlich stösst Apple mit dem iPhone künftig auf eine wachsende Zahl von Konkurrenzprodukten (einige vielversprechende Produkte etwa von Nokia, Samsung oder LG kommen in Kürze oder sind bereits auf dem Markt). Insgesamt ist zu erwarten, dass sich mit der Verbreitung neuer, einfach handhabbarer Mobildevices auch die mobile Internetnutzung sowie der mobile Multimediakonsum deutlich erhöhen werden.

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