Auf die wirtschaftliche Erschliessung des nutzergenerierten Long Tails im Print-Bereich setzt die von RedHat Gründer Bob Young gelaunchte Print on Demand-Plattform Lulu.
com. Autoren können auf Lulu.com kostenlos ihre Bücher oder sonstigen Printerzeuge hochladen; gedruckt wird nur bei Bestellung. Neben den Druckkosten (etwa $10 für ein 200-seitiges Paperback) behält Lulu im Verkaufsfall 25% des Autorenhonorars ein.
Mit dem Übergang zum kostenlosen Publishing stellt Lulu.com das Geschäftsmodell von Wettbewerbern wie Xlibris oder iUniverse auf den Kopf, deren Erlösstruktur sich zumindest in Teilen noch aus Fixgebühren der beteiligten Autoren zusammensetzte. Im September 2006 hatte Lulu etwa 50.000 Buchtitel im Angebot und druckte etwa 200.000 Bücher im Monat – fast alle davon in Kleinstauflagen.
Neben solchen Individualveröffentlichungen lassen sich nutzergenerierte Inhalte durch das Print on Demand-Verfahren auch miteinander oder mit Contents professioneller Medienanbieter kombinieren.
Einen solchen Ansatz verfolgen der US-Fachverlag O’Reilly und die Pearson Technology Group mit ihrer im Herbst 2004 gelaunchten Buch-Plattform SafariU: Diese erlaubt IT-Lehrkräften, aus den Inhalten von mehr als 2.800 EDV-Büchern und 5.000 Fachartikeln individuelle Lehrbücher zu erstellen. Der gesamte Content wird hierzu in einer „Learning Object Exchange“-Datenbank vorgehalten, aus der Kunden „on the fly“ individuelle Lehrbücher kompilieren können.
Diese werden dann im Print-on-Demand-Verfahren produziert und pro Druckseite abgerechnet. Bei einer Seitengebühr von 16 US-Cents ohne Zusatzkosten kostet ein 200-seitiges On-Demand-Buch die Schüler 32 US-Dollar und liegt damit im Rahmen von normalen Fachbüchern.
Zusätzlich können SafariU-Kunden auf der Plattform eigene Inhalte hochladen und in ihre Publikationen einfügen. Sofern gewünscht, werden die Inhalte als „Learning Objects“ auch anderen Kunden zur Verfügung gestellt.
Da viele Lehrkräfte qualitativ hochwertige Unterrichtsmaterialien produzieren, wächst der Umfang des über SafariU angebotenen Contents mit der Anzahl der Plattform-User.
Zu einem späteren Zeitpunkt soll dieser Content-Austausch mit einem Vergütungsmechanismus erweitert werden. So könnte SafariU die Nutzer je nach Anteil ihrer Inhalte an den gedruckten Büchern (z.B. nach Seiten) bezahlen.